In der Nacht zum 03. Oktober kam es zum wiederholten Male zu Angriffen auf Mitglieder der „Sozialen und Politischen Bildungsvereinigung Limbach-Oberfrohna e.V.“ und deren Vereinsheim in Limbach-Oberfrohna.
Seit dem frühen Abend wurde im neuen Vereinsheim an der Dorotheenstraße eine Willkommensfeier einer Freundin, die erste Veranstaltung überhaupt in den Räumlichkeiten, in friedlicher Atmosphäre gefeiert. Dies blieb allerdings nur bis 21 Uhr so.
Eine Kleingruppe von Neonazis zeigte sich vor dem Haus und begann die zum Schutz angebrachten Holzbretter vor den Fenstern abzureißen. Hier wurde auch von den Angreifern zum ersten Mal an diesem Abend der Hitlergruß gezeigt und „Sieg Heil“ gerufen.
Der auf der Feier anwesende Stadtrat und Vereinsvorsitzende Moritz Thielicke erstattete Anzeige, die Polizei nahm den Fall auf, die Täter konnten allerdings nicht mehr gefasst werden. Aufgrund der Reparaturmaßnahmen an dem beschädigten Verschlag, wurde Thielicke gegen 23 Uhr durch Polizeibeamte mitgeteilt, dass gegen Ihn ein Verfahren wegen Ruhestörung eingeleitet werde. Es wurde keine Mahnung, Hinweis oder sonstiges im vornherein ausgesprochen
Nach zahlreichen Anschlägen auf das alte Vereinsbüro in der Helenenstraße war der Gruppe gekündigt worden, da der Vermieter Angst vor noch schwereren Schäden an seinem Haus hatte. In der Dorotheenstraße hatte man nun einen neuen Treffpunkt gefunden, welcher aber auch nicht vor rechten Übergriffen verschont blieb.
Eine halbe Stunde vor Mitternacht stand dieses Mal eine größere Gruppe von Neonazis vor der Einfahrt, die zunächst mit Rufen, Bespucken und dem erneuten Zeigen des Hitlergrußes versuchte, die Feiernden zu provozieren. Als dies nicht gelang, fingen Sie an, mit Bierflaschen und Steinen auf die vor dem Haus stehenden Personen zu werfen und den Zaun zu überwinden. Hierbei wurden einige Personen, welche versuchten, die Nazis davon abzuhalten, näher an das Haus heranzukommen, leicht verletzt. Daraufhin wurde der Grundstückszaun umgerissen, wodurch die Nazis sich unmittelbar in der Einfahrt postierten und weiter die Anwesenden attackierten. Die bereits gerufene Polizei schickte sogar BFE-Einheiten, welche die Personalien der 25 Angreifer aufnahm, sich aber sehr aggressiv den Opfern gegenüber verhielt und aufgrund einer Beleidigung, die einem Ruhestörer galt, gewalttätig gegen eine Person aus dem Haus wurde. Weiter wurden die ganze Zeit abfällige Bemerkungen über die Anwesenden Jugendlichen gemacht. Als eine Person nach dem Einsatzleiter fragte, wurde dem Vereinsvorsitzenden noch zweimal mit einer weiteren Strafanzeige gedroht.
Um kurz nach zwei Uhr in der Nacht kam es erneut zu Steinwürfen seitens der Rechten, wobei drei Fensterscheiben zerstört wurden. Diesmal gelang es der Polizei, die Täter zu ergreifen, welche während der Feststellung ihrer Personalien einem Zeugen mit Mord drohten. Keiner der Täter wurde allerdings mit aufs Revier genommen.
In der Vergangenheit war schon häufig in der Presse von rechten Angriffen in Limbach-Oberfrohna berichtet worden. Polizei und Stadtverwaltung neigen allerdings dazu, die Übergriffe zu relativieren. So erschien am 04.12.08 im Limbach-Oberfrohnaer „Stadtspiegel“ ein Interview mit Polizeirevierleiter Mathias Urbansky [1], indem behauptet wird, es gebe keinerlei Hinweise auf einen rechten Hintergrund der Angriffe, obwohl zuvor große Gruppen mit teils Stadtbekannten Neonazis durch die Helenenstraße gezogen waren und nationalsozialistische Parolen riefen, während sie die Fensterscheiben des Vereinsbüros einschlugen. Später wurden in die als Ersatz in die Fensterrahmen eingesetzten Holzplatten Hakenkreuze geritzt. Urbansky sagte weiterhin, man dürfe „eine Gefährlichkeit auch nicht herbeireden.“ Seit sich die Angriffe auf alternative Jugendliche in Limbach häufen und Verletzungen im Krankenhaus behandelt werden mussten, kann von „herbeireden“ hier keine Rede mehr sein.
Der Sachschaden wird auf rund 1000 bis 1500€ geschätzt.
[1] http://www.limbach-oberfrohna.de/limbach/module/pressespiegel/uploads/berichte/stadtspiegel_2508.pdf
Freie Presse Artikel:
Limbach-Oberfrohna: Erneut Überfall auf Vereinssitz
Mehrere Verletzte – Polizei: „Sieg Heil“-Rufe der Angreifer
Limbach-Oberfrohna. Das kürzlich erst bezogene neue Domizil des Vereins soziale und politische Bildung an der Dorotheenstraße in Limbach-Oberfrohna ist am Wochenende überfallen worden. Dabei sind laut Polizei sechs Vereinsmitglieder und zwei Angreifer leicht verletzt worden.
„In der Nacht zum Samstag wurde die Polizei zur Dorotheenstraße gerufen, weil nach Angaben des Anrufers etwa zehn Personen das Domizil eines dort ansässigen Vereins mit Flaschen beworfen hatten und in das Haus eingedrungen waren. Auch waren dabei „Sieg Heil“-Rufe skandiert worden“, schilderte Polizeisprecherin Heidi Hennig. Beim Eintreffen der Polizei – die Beamten des Reviers waren durch zusätzliche Einsatzkräfte aus Chemnitz verstärkt worden – seien die Randalierer zur Waldenburger Straße geflüchtet, konnten dort jedoch von Beamten gestoppt werden. Die Personalien von 25 Leuten wurden aufgenommen. Die Polizei bearbeitet Anzeigen wegen gefährlicher Körperverletzung, dem Verwenden verfassungswidriger Kennzeichen und Sachbeschädigung. „Die konkrete Beteiligung muss erst nachgewiesen werden“, so die Sprecherin.
Laut dem Leiter des linksorientierten Jugendtreffs Moritz Thielicke hätten die Übergriffe auf das Vereinsdomizil von 21 Uhr bis vier Uhr gedauert. Holzverschläge des Hauses, Fensterscheiben und ein Bauzaun seien nach seinen Worten zu Bruch gegangen und Naziparolen gerufen worden. Vereinsmitglieder seien durch die Steine, die Angreifer geworden hätten, oder durch Glassplitter verletzt worden.
Der bisherige Treff des Vereins an der Helenenstraße, im Oktober 2008 erst eröffnet, war bereits mehrfach überfallen worden. Aufgrund der Situation hätte der Verein die Kündigung des Vermieters erhalten, so Thielicke. Tatbeteiligte an bisherigen Überfällen mussten sich vor Gericht in Hohenstein und Hainichen verantworten. Bei Verhandlungen im April und September wurden rechte Schläger zu Haftstrafen verurteilt. Doch der neuerliche Angriff habe „die bisherigen in den Schatten gestellt“, urteilte André Löschner von der Beratungsstelle für Opfer rechtsextremer Gewalt.
Es bleibt laut Löschner abzuwarten, wie der Stadtrat auf die aktuellen Vorkommnisse reagiert. „Wenn Bürger der Stadt Anfeindungen ausgesetzt sind, sollte ihre Situation ernst genommen werden“, meinte Löschner. Vereinschef Thielicke, zugleich Stadtrat der Linken, will zur Sitzung des Stadtrates am Montag über den Überfall informieren, und er erwarte eine Stellungnahme des Oberbürgermeisters. Denn seine Anfrage zur Arbeit des präventiven Rates der Stadt auf der letzten Sitzung sei bisher unbeantwortet.
Von Gudrun Müller
Erschienen am 04.10.2009
http://www.freiepresse.de/NACHRICHTEN/REGIONALES/1596106.html
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