Alternatives Festival erstmals in Limbach-Oberfrohna

„Stay Rebel“ am Sonnabend auf dem Marktplatz – Zur gleichen Zeit Familientag am Johannisplatz – Kulturbüro wertet Genehmigung als Erfolg

Limbach-Oberfrohna. Das Festival „Stay Rebel“ („Bleib rebellisch“), findet am Sonnabend auf dem Marktplatz in Limbach-Oberfrohna statt. Weil die Stadt zur gleichen Zeit zum Familientag rund um den Johannisplatz einlädt, war das Festival aus Sicherheitsgründen mehrfach verboten worden, sagte am Dienstag Jens Paßlack vom Kulturbüro Sachsen.

„Die Organisatoren haben die Genehmigung mit einem Anwalt durchgesetzt. Wir sehen das als großen Erfolg im Kampf gegen die Kriminalisierung lokaler Initiativen, die sich gegen neonazistische Strukturen und Rassismus einsetzen“, so Paßlack. Das Festival richtet sich gegen Neonazismus, Rassismus sowie Antisemitismus und setzt sich für eine alternative Jugendkultur ein.

Paßlack bezeichnete die Genehmigung und die politische Entwicklung in Limbach-Oberfrohna als „Moleküle der Öffnung“. Es sei schon ein großer Erfolg, wenn sich zwei Bürgerbewegungen um Rechtsextremismus kümmern. So hatte sich unter Federführung der CDU das Bündnis für Demokratie und Toleranz gegründet. Aus einer Elterninitiative war gemeinsam mit der Diakonie das Bunte Bürgerforum für Demokratie entstanden. Erstmals hatte Oberbürgermeister Hans-Christian Rickauer (CDU) eine Extremismus-Debatte moderiert und sich gewünscht, dass die beiden Bürgerbündnisse zusammenarbeiten würden. „Doch leider ist es dabei geblieben“, sagte Christoph Lordick vom Bunten Bürgerforum. Doch seine Initiative dürfe sich bereits in staatlichen Räumen, so im Esche-Museum, treffen. Der nächste Treff sei am 27. September.

Jugendliche vom Verein „Schwarzer Peter“, der in den vergangenen Jahren immer wieder Ziel von Übergriffen war, wollen mit diesem Festival auf die Probleme in Limbach-Oberfrohna aufmerksam machen, die es auch heute noch gibt, sagte am Dienstag Manuela Weiß vom Bunten Bürgerforum. So sei ihr Mann erst kürzlich von Jugendlichen angepöbelt worden, weil er der Vater von „linken Zecken“ sei. Ihre 18-jährige Tochter hole sie abends weiterhin von Veranstaltungen ab, weil sie befürchtet, dass sie überfallen werde.

„Deshalb ist es wichtig, dass wir in unserer Arbeit weitermachen, damit die Akzeptanz auch in der Bevölkerung zunimmt“, meinte Thomas Doyé (Bündnis 90/Die Grünen) vom Bunten Bürgerforum. Das Forum zähle mittlerweile rund 25 Mitstreiter. Angefangen hatte es mit fünf Familien, die ihren Kindern im Verein „Schwarzer Peter“ den Rücken stärken wollten.

Mittlerweile sind Demokratie- und Extremismus-Debatten angeschoben. So hat die Initiative Tolerantes Sachsen zu einer Tagung am 19. und 20. November nach Limbach-Oberfrohna eingeladen. In der Woche zuvor finden Projekttage zum Thema Extremismus in der Pestalozzi-Mittelschule statt, wie Thomas Doyé mitteilte. Dabei würden die Jugendlichen auch ins ehemalige Konzentrationslager nach Buchenwald fahren. Der Ex-Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Joachim Gauck, und der frühere sächsische Innenminister Albrecht Buttolo (CDU) wollen am 20. November ebenfalls in Limbach-Oberfrohna für Demokratie werben.

Von Bettina Junge
Erschienen am 14.09.2010
Quelle: „http://www.freiepresse.de/NACHRICHTEN/REGIONALES/CHEMNITZ/7473881.php“