Zwei Aktionen haben ihr Ziel erreicht

Familientag mit Bauernmarkt und Festival „Stay Rebel“ stellen das jeweilige Publikum in Limbach-Oberfrohna offenbar zufrieden

Von Galina Pönitz

Limbach-Oberfrohna. Unterschiedlicher in Publikum und Aussage hätten die beiden Veranstaltungen, die am Sonnabend zeitgleich in Limbach-Oberfrohna stattfanden, nicht sein können. Das Festival „Stay Rebel“ („Bleib rebellisch“) zog auf dem Markt die Leute an, die gemeinhin in Limbach-Oberfrohna schon durch Kleidung und Haarfarbe oder -schnitt auffallen. Dagegen gehörte der Familientag mit Bauernmarkt auf Johannisplatz und Helenenstraße den Menschen, die den Großteil der Einwohner der Stadt repräsentieren. Zwei so unterschiedliche Veranstaltungen nebeneinander? Dass das geht, hat Limbach-Oberfrohna bewiesen.

Die wohl einzige Gemeinsamkeit von „Stay Rebel“ und Familientag war, dass das jeweilige Publikum genau das fand, was es erwartet hat. Die Gegensätze fallen schon schwerer ins Gewicht. Beim Familientag stand Unterhaltung für Besucher jeden Alters im Mittelpunkt. Zahlreiche Vereine und Institutionen präsentierten sich, so unter anderem die Fördervereine einer Kindertagesstätte und des Tierparks.

Einige Händler hatten nicht nur ihre Läden geöffnet, sondern sich für den Aktionstag allerhand einfallen lassen. Sportliche Betätigungsmöglichkeiten, Modenschauen und Tanzvorführungen gehörten ebenso zum Programm, wie Straßenmusiker, die ihr Publikum mit Akkordeon und Waschbrett unterhielten. Dazu gab es unzählige Spiel- und Bastelmöglichkeiten für Kinder. Zeitweise drängte sich das Publikum vor allem an den Ständen so dicht, dass kaum ein Durchkommen war. Im Hinblick auf die Besucherzahlen erwies es sich also als günstig, den Familientag mit dem Bauernmarkt zu verbinden.
Ganz anders zur gleichen Zeit wenige 100 Meter weiter auf dem Markt. Dort transportierte das Festival eine klare politische Position gegen Neonazismus, Rassismus und Antisemitismus. Aufschriften wie „Schöner leben ohne Naziläden“ und „Nazis ausgrenzen“, die sich auf Plakaten und teilweise sogar auf der Bekleidung der Besucher fanden, ließen keinen Zweifel am Ziel der Aktion. Das formulierte Daniel Drescher vom Sozialen und Politischen Bildungsverein Limbach-Oberfrohna so: „Wir wollen alternative Kultur in der Stadt etablieren. Und wir wollen thematisieren, dass die Stadt ein Problem mit braunem Gedankengut hat, wenn manche das auch nicht wahrhaben wollen, und dass es hier zu wenige Angebote für Jugendliche gibt. Außerdem geht es uns darum, auf unser Projekt ,Doro 40′ hinzuweisen, das wir zu einem soziokulturellen Zentrum entwickeln wollen.“
Auch die Sänger auf der Bühne bezogen mit ihren Texten einen klaren Standpunkt, so zum Beispiel der Liedermacher Fidel Kunterbunt, der von den Opfern rechter Gewalt sang. Auch die Bands Fallobstfresser aus Burgstädt, Fraktion 42 aus Chemnitz sowie Nic Knatterton und Johanna aus Aachen widmeten sich in unterschiedlichen Musikrichtungen dem Thema.
Unterstützt worden war „Stay Rebel“ unter anderem vom „Bunten Bürgerforum für Demokratie“ und vom Mobilen Beratungsteam des Kulturbüros Sachsen. Bei der Organisation hatten die Veranstalter,
eine Gruppe junger Leute, zu der auch Mitglieder des Sozialen und Politischen Bildungsvereins Limbach-Oberfrohna gehören, einige Hürden zu nehmen. Zwei frühere Termine waren nicht genehmigt worden. Erst das Einschalten eines Anwaltes führte dazu, dass das Landratsamt die Veranstaltung genehmigte.

Die verlief aus übereinstimmender Sicht der Organisatoren und der Polizei „ordnungsgemäß“. Moritz Thielicke, Vorsitzender des Sozialen und Politischen Bildungsvereins, berichtete von „einer Störung“ durch eine Gruppe junger Leute am Ende des Festivals. „Die Polizei hat sie aber beruhigt und so für Ordnung gesorgt“, sagte Thielicke gestern. Auch für Jens Paßlack vom Kulturbüro Sachsen lief „alles nach Programm“.

Polizeisprecher Frank Fischer bestätigte gestern, dass die Beamten „28 jugendlichen Störern“ Platzverweise erteilt haben, denen „sie auch nachkamen“. Beim Aufnehmen der Personalien dieser jungen Leute habe ein 16-Jähriger die Polizei behindert. „Auch ihm wurde ein Platzverweis erteilt, dem er allerdings nicht nachkam“, sagte Fischer. Deshalb sei der junge Mann „vorübergehend in Polizeigewahrsam“ genommen worden.

Quelle: Freie Presse 20.09.2010