Bunter Protest gegen Filiale von Thor Steinar soll weitergehen

Rund 350 Menschen haben gegen Laden der bei Rechtsextremen beliebten Modemarke demonstriert
So viele Menschen auf einmal erlebt der von Leerstand geprägte Brühl nicht alle Tage. Etwa 350Menschen demonstrierten dort am Freitag Nachmittag gegen eine Anfang des Monats eröffnete Filiale der Modemarke ThorSteinar, die sich vor allem bei Rechtsextremisten Beliebtheit erfreut. An dem Marsch und der anschließenden Kundgebung nahmen Anwohner und Gewerbetreibende, Kommunal-, Landes- und Bundespolitiker von SPD, Grünen, Linken und CDU sowie vor allem viele Jugendliche teil. „Ich bin froh, dass so viele junge Leute hier sind“, sagte Siegfried Hempel, mit 81Jahren einer der ältesten Teilnehmer.
Offenbar wegen des Protests und einer Kundgebung unmittelbar vor dem Ladenlokal hatte das Geschäft am Freitagnachmittag vorzeitig geschlossen. „Unser Ziel ist, dass der Thor- Steinar-Laden für immer seine Rollläden unten lassen soll“, sagte die Leipziger SPD-Bundestagsabgeordnete Daniela Kolbe, stellvertretende Sprecherin der Arbeitsgruppe Strategien gegen Rechtsextremismus ihrer Fraktion. Mit der Eröffnung des ursprünglich „Brevik“ benannten Ladens hätten die „Thor Steinar“-Macher erneut gezeigt, wes Geistes Kind sie seien. Erfahrungen in ihrer Heimatstadt hätten allerdings gezeigt, dass die Schließung solcher Läden selbst bei massivem Protest oder juristischer Hilfe sich lange hinziehen könne, so Kolbe. „Es ist ein steiniger Weg. In Leipzig hat es auch lange gedauert, aber heute haben wir keinen Thor-Steinar-Laden mehr.“
Die Chemnitzer SPD-Landtagsabgeordnete Hanka Kliese zeigte sich als Organisatorin erfreut über die Resonanz auf den Aufruf zur Demonstration. „Es waren deutlich mehr Menschen da als wir erwartet haben“, sagte sie. Für die kommende Woche sei ein nächstes Treffen des Bündnisses Bunter Brühl geplant, auf dem weitere Aktionen besprochen werden sollen. „Wir müssen durch langanhaltenden Protest den Betreiber dazu bewegen, das Geschäft zu schließen“, erläuterte Kliese ihren Ansatz. Die Demonstration habe ihr Mut gemacht für zukünftige friedliche und kreative Proteste.
Wie diese aussehen könnten, davon zeugten gleich mehrere Begleitaktionen. So waren am Zaun eines Sportplatzes, der dem Thor-Steinar-Geschäft schräg gegenüber liegt, Plakate für ein tolerantes Miteinander zu sehen. Sie waren von Chemnitzer Schülern zum Friedenstag am 5. März gestaltet worden. Am Brühl-Boulevard waren rote Herzen zu sehen mit Aufschriften wie „Freiheit“, „Demokratie“ und „Menschenrechte“, aber auch mit den Namen der Mordopfer der rechtsextremen Terror-Vereinigung NSU.
Brühl-Manager Urs Luczak will das Bündnis Bunter Brühl weiter unterstützen. Er hofft dabei auch, das Engagement gegen das Geschäft weiterentwickeln zu können zu einem Engagement für mehr Kultur und Miteinander im Viertel. Anhänger der „Antifaschistischen Aktion“ hingegen lehnen derlei „Standortpolitik“ ab. Man dürfe nicht erst dann gegen Neonazis aktiv werden, wenn es dem eigenen Image schaden könnte, kritisierten sie.

Quelle: http://www.freiepresse.de/LOKALES/CHEMNITZ/Bunter-Protest-gegen-Filiale-von-Thor-Steinar-soll-weitergehen-artikel7935234.php