Chemnitz: Parodie-Storch Heinar führt Protest gegen Thor Steinar an

Schließung von Laden am Brühl gefordert – Vermieter will Mietvertrag auflösen
Chemnitz. Rund 350 Menschen haben am Freitag in Chemnitz vor dem jüngst eröffneten Franchise-Laden des bei Neonazis hoch im Kurs stehenden Mode-Labels Thor Steinar demonstriert. Das Geschäft hatte durch seinen Namen international für Wellen gesorgt. Brevik, der Name einer norwegischen Kleinstadt, erinnerte an den rechtsextremen Attentäter Anders Breivik, der 2011 in Norwegen 77 Menschen tötete. Die Ähnlichkeit war von Ladenbetreiber Matthias P. offenbar bewusst gewählt. Er wies selbst darauf hin – in einer Mail, die angeblich von einem besorgten Vater stammte, sich aber zu ihm zurückverfolgen ließ: Provokation als Marketing-Instrument.
Nach Gründung eines Bündnisses erzürnter Nachbarn taufte er den Laden in Absprache mit dem Thor-Steinar-Hersteller, der Firma Mediatex aus Brandenburg, um. Jetzt hat er den Namen der Stadt Tønsberg. Den Demonstranten geht das nicht weit genug. Sie wollen den Laden geschlossen sehen. Auch der aus Niederbayern stammende Vermieter betont, den Mietvertrag wieder lösen zu wollen. Ein spezialisierter Hamburger Anwalt lotet für ihn derzeit Chancen einer Kündigung aus.
Ähnliche Fälle schlugen schon bundesweit juristische Wellen. Die höchsten schwappten bis zum Bundesgerichtshof: Dessen zwölfter Senat urteilte 2010 gleich in zwei Fällen: konkret zu einem Steinar-Laden in Berlin und einem im Magdeburger Hundertwasser-Haus. Beide Vermieter sahen sich zu Vertragsabschluss „arglistig getäuscht“. Der Mieter hatte nirgends erwähnt, welche Bekleidungsmarke vertrieben werde, nur betont, es handele sich um Produkte aus eigener Herstellung. Beim Mieter handelte es sich um Uwe M., damals Mediatex-Geschäftsführer, der für den Mietvertrag indes mit dem Firmennamen Protex auftrat. Die Richter sahen die „arglistige Täuschung“ als vollzogen. Die Räumung war rechtens.
Auch im Fall des Chemnitzer Geschäfts sei bei Gesprächen immer nur die Rede von Outdoor-Bekleidung gewesen und von sogenannten „Baggy Pants“, betont der Vermieter. Allerdings räumt er ein, dass im Mietvertrag dann doch der Name des Labels stand. „Aber mir sagte Thor Steinar gar nichts“, argumentiert der Mann. In einem ebenso gelagerten Fall in Halle scheiterte der Vermieter im Vorjahr mit dem gleichen Argument. Mit Nennung des Labels genüge der Mieter seiner Informationspflicht, wurde am Landgericht geurteilt. Übers Image der Marke, deren Tragen im Bundestag, im Landtag von Mecklenburg-Vorpommern und in mehreren Stadien verboten ist, hätte sich der Vermieter selbst informieren müssen.
Auch abseits des Mietrechts tritt Mediatex juristisch oft in Erscheinung. Vom Land Norwegen wurde die Firma wegen Missbrauchs staatlicher Hoheitszeichen verklagt. „Thor Steinar“ nutzte die norwegische Flagge als Motiv. Mediatex selbst verklagte das Label „Storch Heinar“, das, als Parodie auf „Thor Steinar“ gegründet, sowohl den Markennamen als auch Nazi-affine Motive auf die Schippe nimmt. Die Mediatex-Klage scheiterte. Der Storch stichelt weiter. Sein Mitbegründer, der SPD-Mann Mathias Brodkorb, ist längst aufgestiegen: zum Bildungsminister von Mecklenburg-Vorpommern. Plakate mit dem Storch-Motiv hielten am Freitag auch viele der Chemnitzer Demonstranten hoch.

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