Anschlag auf Proberaum in Burgstädt: Landgericht schwächt Urteil ab

Zwei Männer zu Bewährungs- und Geldstrafe verurteilt
Chemnitz/Burgstädt. Mehr als drei Jahre nach einem Brandanschlag auf einen Proberaum in Burgstädt ist am Dienstag der Prozess gegen zwei junge Männer am Landgericht Chemnitz wieder aufgerollt worden. Ein 22-Jähriger aus Burgstädt und ein 26-Jähriger aus Rochlitz waren bereits im September 2011 vom Amtsgericht Hainichen zu einer Gefängnis- bzw. Bewährungsstrafe verurteilt worden. Dagegen hatten sie Berufung eingelegt.
In der Nacht zum 19. Januar 2009 sollen rund 20 Rechtsextremisten, darunter die beiden Angeklagten, den Proberaum der Punkbands Fallobstfresser und Vengeance gestürmt haben. Dabei sollen sie ein vor der Lagerhalle stehendes Auto demoliert und dann Feuer im Proberaum gelegt haben. Gitarren, Verstärker und Schlagzeug wurden vernichtet. Der Schaden betrug rund 25.000 Euro. Als Motiv nannte Gerichtssprecher Thomas Mrodzinsky einen Rachefeldzug. Das Auto eines Täters soll zuvor an der Köbkestraße angezündet worden sein. Doch bis heute wurden die Täter nicht gefasst.
Der Gerichtssprecher hatte noch am Morgen verkündet, dass sich der Prozess hinziehen könnte, denn in Hainichen hatte die Verhandlung ein Jahr gedauert, bis der Burgstädter zu drei Jahren und sieben Monaten Haft und der Rochlitzer zu einem Jahr und zwei Monaten auf Bewährung verurteilt wurden. Der Prozess am Landgericht dauerte statt der geplanten acht Verhandlungstage bis Mitte Juli lediglich einen Vormittag. Grund war die günstige Sozialprognose, die das Gericht für die Täter sah.
So wurde der Burgstädter zu einem Jahr und vier Monaten Haft auf Bewährung wegen Brandstiftung, Sachbeschädigung und Tragens von Kennzeichen verfassungsfeindlicher Organisationen wie tätowierte Hakenkreuze verurteilt. Der junge Mann hatte bereits eine zweijährige Haftstrafe wegen anderer Delikte verbüßt. Deshalb ist er nach der am Dienstag erteilten Bewährungsstrafe auf freiem Fuß. Der Rochlitzer kam mit einer Geldstrafe von 600 Euro wegen Sachbeschädigung davon.
Der Verein Opferberatung beklagt das zu milde Urteil für die rechtsmotivierte Brandstiftung und Sachbeschädigung. „Für die Betroffenen war die Anerkennung der Sozialprognose eine Farce“, sagte Löscher. Denn der Burgstädter habe sich nicht von der rechten Szene gelöst, von der weiterhin Bedrohungen ausgingen. Das bestätigte am Dienstag auch Gunnar Hofmann, Sänger der Punkband Fallobstfresser. Rechte Gewalt sei in Burgstädt an der Tagesordnung. Seine Band habe sich allerdings im September 2010 aufgelöst. Er habe aber neue Proberäume gefunden.
Mit dem schnellen Urteilsspruch bleibt weiteren Zeugen erspart, erneut vor Gericht zu erscheinen. „Ich finde es gut, dass die Staatsanwaltschaft betonte, dass viele Zeugen befürchten , erneut ins Visier von Neonazis zu geraten“ sagte der Sprecher des Vereins Opferberatung, André Löscher.
Einer der Zeugen ist Jens Berger, der Besitzer der Lagerhalle. Er hatte den beiden Bands kostenlos den Proberaum zur Verfügung gestellt. „Ich sollte am 30. Mai aussagen“, erklärte er am Dienstag auf „Freie Presse“-Nachfrage. „Ich bin auf den Kosten sitzen geblieben“, sagte er. Der Schaden am Gebäude habe etwa 7000 Euro betragen. „Ich habe das Dach repariert und die Halle wieder hergerichtet.“ Er habe die Nase voll und den Proberaum aufgelöst. Er nutze die Halle als Garage. Die Bands hätten sich nicht mehr gemeldet.

Quelle: Freie Presse am 23.05.2012