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Das gedachte Gestern heute gelebt

Ein Bericht von John Berger

Es ist Samstag der 14. Juni 2014. In Chemnitz feiern viele Menschen ausgelassen den Christopher Street Day (CSD) und damit die Freiheit der sexuellen Selbstbestimmung, welche jedem Menschen zusteht. Keine 30 km entfernt beginnt ein Vortrag von Thomas Schneider zum Thema „Achtung: Sexualisierung! Was wird aus unseren Kindern und Enkeln?“ in der Stadtkirche Limbach.

Thomas Schneider ist bekennender Evangelist oder auf neudeutsch einer der Hardliner unter evangelischen Fundamentalisten. Er schreibt aktiv für die evangelische „Arbeitsgemeinschaft Weltanschauungsfragen e.V.“ bei welcher er auch Vorstand und Pressesprecher ist und versucht sich des Weiteren als Referent. Es fanden sich an diesem Abend etwa 30 Interessierte ein, um Thomas Schneider zuzuhören. Unter ihnen befanden sich nicht nur mündige Christen, sondern auch kritische Beobachter, die gegebenenfalls gerechtfertigte Fragen stellen wollten. Doch ebenso wie sich manches fundamentalistisch evangelistische Fehlschlussdenken nicht ändert und stoisch seine Schneise der Idiotie durch die Köpfe sichtlich uninformierter Christen fräst, bleibt auch das elegante Weglassen kritischen Hinterfragens Tradition.
An dieser Stelle sei erwähnt, dass in diesem Bericht geplant war, die Argumente von Herrn Schneider wiederzugeben und diese auf ihre Schlüssigkeit und natürlich deren Wahrheitsgehalt zu prüfen. Leider wurde diesem Vorhaben ein Strich durch die Rechnung gemacht, indem der gesamte Vortrag aus einem rückwärtsgewandten Sammelsurium seltsam zusammengewürfelter Behauptungen bestand, welches das Publikum vom drohenden Untergang der Gesellschaft und der Ankunft des Teufels durch sexuelle Selbstbestimmung des Menschen warnen sollte.
Die Veranstaltung begann mit einigen einführenden Worten von Pfarrer Vögler. Es folgte noch ein Gebet und ein Lied bis Thomas Schneider das Rednerpult betreten durfte. In seinem ersten Unterpunkt „Was sagt die Bibel dazu?“ rezitierte Schneider ausgewählte Bibelstellen, die scheinbar das Thema Sexualität des Menschen, wie Gott ihn schuf, beinhalteten. Er bewies damit jedoch lediglich, dass die Bibel behauptet, die Existenz zweier Geschlechter sei gut, Kinder können nur von diesen zwei Geschlechtern gezeugt werden und die Familie, bestehend aus Mann, Frau und Kindern, sei die Speerspitze der christlichen Gemeinschaft. In keinem der vorgetragenen Passagen wurde nur ansatzweise auf das Dasein homosexueller Menschen oder homosexueller Handlungen aus Liebe eingegangen. Kein Wunder, da es in der Bibel keinerlei Bezug zu diesen Inhalten gibt. Auf Liebe gründende Homosexualität wird in der Bibel weder diskutiert noch verdammt. Wer sich davon überzeugen will, kann gerne die Heilige Schrift zur Hand nehmen und fleißig Exegese betreiben oder einfach Matthew Vines Buch „God and the Gay Christian“ zu Rate ziehen, der sehr ausführlich aus Sicht eines homosexuellen Christen die Bibel studierte.

Schneider stellt im weiteren Verlauf seines Vortrags absurde Behauptungen auf, die seine Angst vorm Entarten der Menschheit, durch „falsche“ Kindererziehung, untermauern sollten. So wird darüber fantasiert, dass es in der heutigen Gesellschaft keinen „Vormund“ für Kinder gäbe, stattdessen nur noch „Betreuer“. Es wurde nicht wirklich klar, was Schneider damit eigentlich aussagen wollte. Die Vormundschaft für Kinder ist strikt gesetzlich geregelt (§§ 1773 – 1895 BGB), ein „Betreuer“ dagegen ist höchstens gesetzlicher Vertreter betreuungsbedürftiger Volljähriger. Ein weiterer Punkt, der Schneider auf der Zunge brannte, war das westliche Wertekonzept, welches der Bibel „konträr“ gegenüber stehe. In diesem würde nur ein „Wertevakuum“ gefüllt und sich von der Bibel abkehren. Es ist an dieser Stelle nur zu hoffen, dass Schneider nicht generell das anerkannte Wertemodell, welches unsere freiheitlich demokratische Grundordnung stützt, anprangern möchte.
Doch es war nicht nur der Gedanke an die westlichen Werte wie Freiheit, Rechtsstaatlichkeit, Gleichheit, Individualismus, Toleranz und Demokratie, die Schneider missbilligte, sondern auch die Evolutionstheorie, welche nur Öl in das Feuer des sexuellen Verkommens der Menschheit gieße.
Laut Schneider kann der Mensch nicht aus dem beobachteten Verhalten von Affen auf das Verhalten des Menschen schließen, da der Mensch nicht wie die Affen aus der Natur stammt. Dieser Punkt sei dahingestellt, da jedem Menschen zusteht an seine lieblings Schöpfungsgeschichte zu glauben, nur der Übergang zur Kindererziehung schien dann doch etwas gewagt. Kinder würden in dem Glauben erzogen, sie seien lediglich „sexuelle Wesen, die ihre Triebe abbauen“, da dies so in der Natur beobachtet würde. Gemeint ist sicherlich Sigmund Freuds Triebtheorie, welche in Grundschulen doch eher selten ihren Weg in den Lehrplan findet und auch in höheren Klassenstufen keinen Lehrinhalt darstellt. Im alltäglichen Leben stößt man ebenfalls eher selten darauf, als Opfer seiner Triebe dargestellt zu werden.
Woher der Glaube an die Evolutionstheorie stammt, ist für Schneider jedoch klar ersichtlich.
Die Meinung, die in aller Öffentlichkeit vertreten würde, sei ein Ergebnis der „Norm der Großen Zahlen“ wie er sie nennt. Er vertritt damit die Ansicht, dass ein Großteil der Menschen nur die Meinung befürwortet, die die Mehrheit als gut ansieht. Es mag tautologisch klingen, ergibt aber durchaus Sinn. Der Idee steht nur leider seine spätere Auffassung entgegen, dass eine „Homo- Minderheit“ durch „gute Lobbyarbeit“ der Politik vorschreiben würde, wie diese zu agieren habe und was auf dem Tagesplan steht. Zusammengefasst müsste demnach die Mehrheit aus einer Minderheit bestehen, wenn diese doch die Meinung der Mehrheit erzeugt. Seltsam.

Natürlich darf bei einem gut durchdachten und auf Stichhaltigkeit geprüften Vortrag kein Bezug zur aktuellen Situation fehlen. So wird prompt die EU an den Pranger gestellt, welche mit ihren Programmen zum „Gender- Mainstreaming“ scheinbar ebenfalls nur schlechtes im Sinn hätte. Kinder sollen für Offenheit gegenüber sexueller Vielfallt und ein selbstbewusstes Verhältnis zum eigenen Geschlecht ermutigt werden. Zur Beseitigung festgefahrener Stereotypen, überholter Geschlechterrollen und verkorkster Selbstbilder, von Menschen die sich aus Überzeugung nicht getrauen zu ihren eigenen Neigungen zu stehen, scheint dies doch ein gutes Vorhaben zu sein. Natürlich nicht für Schneider, bei dem sich die Freiheit, zwischen Zwang und Gehorsam zu entscheiden, genügen muss.
Es ist gut, wenn es noch Menschen gibt, die sich offen gegen die Indoktrination von Kindern und teils auch Erwachsenen aussprechen. Wie zu Beginn schon erwähnt, durften diese jedoch leider keinen Fragen stellen und hatten lediglich die Wahl den Raum zu verlassen.

Ein weiterer Dorn im Auge des überzeugten Evangelisten ist die „LSBTTI- Bewegung“ (lesbisch, schwul, bisexuell, transsexuell, transgender und intersexuell). Nach Schneider muss diese Bewegung verurteilt werden, weil sie ein bestimmtes Menschenbild verankern wolle. Kurz zur Nebeninformation, die „LSBTTI-Bewegung“, wie Schneider sie nennt, setzt sich für die Selbstbestimmung der eigenen Sexualität und einer Erweiterung des herkömmlichen Geschlechterbildes, aus Mann und Frau, durch weitere geschlechtsbestimmende Formen ein. Eindeutig Indizien eines bestimmten Menschenbildes. Seine Hauptbedenken galten hierbei der Vorstellung, dass Eltern ihre Kinder erziehen sollen und nicht die Gesellschaft. Nach dieser Idee sollte sich die Kirche selbstverständlich auch aus der Kindererziehung halten, was Schneider ausversehen vergessen hatte mit zu erwähnen. Er merkte stattdessen an, dass ein Geschlechterbild, wie es die Bewegung darstellt, „wissenschaftlich umstritten“ wäre. Wie bei einem Großteil seiner Behauptungen ging er auch hier nicht ins Detail. In diesem Falle ging er weder auf die streitenden Wissenschaftler, die wissenschaftliche Frage die erforscht wird, generelle Zusammenhänge zwischen der Sicht der Kirche und einer wissenschaftlich rationalen Sicht noch auf das Vorhandensein bekannter und schlüssiger Ergebnisse, wenn auch nur Zwischenergebnisse, des Streits ein. Schneider bevorzugte dann doch die wissenschaftlich fundierten Massenmedien zu Rate zu ziehen, die vergleichsweise größere Aussagekraft besitzen. Der Sieg des Österreichers Conchita Wurst beim Eurovision Song Contest und die TV Sendung „Transgender – Mein Weg in den richtigen Körper“ nutzte er als Beispiele, wie das gesellschaftliche Denken von den „Homo- Lobbyisten“ dominiert würde. Es wirkt leicht absurd, wenn eine Lobby hinter dem Sieg eines Contestteilnehmers stecken sollte, welcher doch zum Großteil durch europaweite Zuschauerabstimmung ermittelt wurde und über Einschaltquoten bei Fernsehsendern entscheidet. Doch es wird erneut hastig zum nächsten Punkt gesprungen, bevor die Hörerschaft stutzig wird.

Die nächste Hürde in Schneiders Feldzug für die vermeintlich guten Werte ist die Angst als homophob geoutet zu werden, nur wenn man Homosexualität als krank und unnatürlich darstellen würde.
Schneider zitiert hierzu seinen Kollegen Michael Kotsch vom Weltanschauungsfragen e.V. der wehmütig der alten Zeit hinterher trauert, in welcher es noch als legitim angesehen wurde nicht-heterosexuelle Menschen auszugrenzen und bloßzustellen („Tabu: Homosexualität“). Herr Kotsch bedient sich in seinen Ausführungen nicht nur stark veralteten Denkmustern zum Thema Sexualität, sondern verwendet ebenfalls einen Sprachgebrauch der in leichten Zügen an die Sprache der späten 30er Jahre erinnert und ist somit weder auf linguistischer noch auf wissenschaftlicher Ebene auch nur ansatzweise vertretbar.

So langsam nahte das Ende des Spektakels und Schneider begann im eigenen Nest die Beschmutzer zu suchen. Ziel des Angriffs waren diesmal die Mitglieder der EKD (Evangelische Kirche in Deutschland), die sich dafür einsetzen, dass Menschen der unterschiedlichsten Geschlechter und sexuellen Neigungen Zugang zur Kirche und Gott finden können. Zum untermalen seiner Befürchtungen verwies er auf ein Video der EKD, welches das Projekt „Eine Tür ist genug“ vorstellt. Im Video sind zwei übliche Toiletten zu sehen, die von unterschiedlichsten Menschen genutzt wurden. Zu sehen sind unter anderen Transgender- Menschen, homosexuelle Menschen, Familienväter oder Bauarbeiterinnen. Das Ergebnis soll sein, dass in der Kirche nur eine Tür für alle genügt und nicht zwei wie bei den Toiletten. In Schneiders Augen öffnet dies Tür und Angel für den Teufel. Erneut mangelt es an den Begründungen. Es bleibt lediglich der Bezug zur Bibel, die sich noch immer über die sexuelle Orientierung eines Menschen aus seinen eigenen Neigungen heraus ziemlich bedeckt hält.

Wer meint nun seien genug irrsinnige Behauptungen postuliert worden, der irrt. Die wohl fragwürdigste und aus seiner Warte wahrscheinlich beste Behauptung hob sich Schneider für den Schluss auf. Er wollte den verbliebenen Hörern im Saal, die den Vortrag in seiner ganzen Länge ertragen wollten, davon überzeugen, dass diese „falsche“ Erziehung der Jugend zu mehr Homosexualität führe, dies brächte auch Polygamie hervor und wenn die erst einmal Einzug hielt, wäre Pädophilie auch kein Übel mehr.
Es ist absolut nicht nachzuvollziehen, wie Homosexualität und Polygamie in einem Zusammenhang stehen sollten doch mit dem Hinzufügen von Pädophilie versetzte Schneider sich letztendlich selbst den Gnadenstoß und disqualifizierte sich endgültig als Redner für eine öffentliche Plattform.
Desinteresse am Fortlauf der Gesellschaft und deren Wandel ist jedem Menschen frei überlassen, dann sollte man sich jedoch bitte nicht in ein veraltetes, unterdrückerisches, antiemanzipatorisches und von Angst geprägtes Weltbild fliehen und sich seine Standpunkte solange zurechtlügen bis diese einem angenehm die Konfrontation mit der Realität abnehmen.
Sowohl der Mangel an Quellenangaben bezüglich seiner reaktionären und absurden Behauptungen wie die völlige Abwesenheit eines Funkens Verständnis für den Zeitgeist und seine menschenverachtende Haltung entkräften alles, was Thomas Schneider an diesem Abend von sich gab. Es ist nur zu hoffen, dass diese Veranstaltung ein Versehen der Stadtkirche Limbach war und die Referenten zukünftig gewissenhafter ausgewählt werden.

Gewaltsamer Angriff auf den Vereinssitz der Sozialen und Politischen Bildungsvereinigung L. -O. e.V.

In der Nacht vom 26. auf den 27. April versammelte sich eine lautstarke Gruppe mutmaßlicher rechter Jugendlicher vor dem Gebäude auf der Sachsenstraße 26, in welchem die Bildungsvereinigung ihren Sitz hat und griffen mit Glasflaschen, Pflastersteinen und schweren Keramikblumenkübeln das Gebäude an. Bei dem Angriff wurden die Fenstervergitterungen im Erdgeschoss beschädigt und die Hauseingangstür komplett zerstört. Zum Tatzeitpunkt befand sich nur ein Einwohner im Gebäude und verständigte Vereinsmitglieder und die Polizei. Als die Mitglieder erschienen konnten sie eine Person im Garten des Grundstückes überwältigen, welche weiterhin Steine warf. Der Tatverdächtige wurde vernommen und anschließend von den Polizeibeamten nach Hause gefahren. Kurze Zeit darauf erschienen fünf Polizeitransporter vor dem Gebäude und führten eine intensive Personenfeststellung durch. Eingetroffene Unterstützer des Vereins wurden ebenfalls kontrolliert, mussten ihre Personalien abgeben und ihre Gesichter fotografieren lassen. Die Begründung der Maßnahme war eine Anzeige wegen Körperverletzung, welche sich scheinbar auf einer Geburtstagsfeier in einer stadtbekannten Garage nahe des Vereinssitzes (auf der Pestalozzistraße) ereignete. Im Zuge der Kontrolle wurden vier Personen, die sich vor der Sachsenstraße befanden, mit auf das Revier genommen und verhört. Erst gegen Sonntagmittag wurden die verhörten Vereinsmitglieder und Freunde wieder entlassen.

Fünf-Jahres-Feier

Sehr geehrte Damen und Herren,

vor fünf Jahren haben wir unseren Verein „Soziale und Politische Bildungsvereinigung Limbach-Oberfrohna e.V.“ gegründet, um engagiert gegen rechte Gewalt zu arbeiten.

Diese Jahre waren geprägt von vielen Hürden, Aufopferung, aber auch von Freude und Spaß.

Unseren Jahrentag möchten wir nun gebührend feiern.
Dazu laden wir Sie recht herzlich ein.
Genießen Sie mit uns diesen Tag am 27.09.13. Wir beginnen ab 15.00 Uhr im Vereinsdomizil auf der Sachsenstraße 26 in Limbach-Oberfrohna.

Unter anderem haben wir folgendes geplant:

• ab 15:00 Uhr Eintreffen der Gäste, gemütliches Beisammensein, Kinderprogramm mit Kaffee und Kuchen
• ab 17:00 Uhr Vorstellung des Vereins
• ab 18:00 Uhr Gemeinsames Abendessen mit Feuershow und Livemusik

Über eine Rückmeldung würden wir uns sehr freuen, denn das erleichert unsere Planung.

Mit freundlichem Gruß
Soziale und Politische Bildungsvereinigung Limbach-Oberfrohna e.V.

Eine Vortragsreihe zur Asylpolitik in Deutschland

Veranstaltet von der Sozialen und Politischen Bildungsvereinigung Limbach-Oberfrohna:

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Was, Wann, Wie?
Handlungsmöglichkeiten auf allen Ebenen:
- rechtlich, gesellschaftlich, politisch

04.07.2013 Esche-Museum | Sachsenstraße 3
18:30 Uhr 09212 Limbach Oberfrohna
Asylbewerber_innen, die vor ihrer Abschiebung stehen, sind politischen Entscheidungen hilflos ausgesetzt. Wie stark sich der Mensch in die neue Gesellschaft eingebracht, sich für diese aufgeopfert und seinen Teil für diese beigetragen hat, stellt keinen Wert für die Entscheidungsträger_innen dar. In eben diesen Fällen liegt es an außenstehenden Menschen sich gegen die Abschiebung einzusetzen, um dem
Mitmenschen weiterhin ein sicheres Leben ermöglichen zu können. Doch was kann man für abschiebungsgefährdete Menschen tun und besteht die Möglichkeit schon vor der gewissen Abschiebung zu handeln?Kein Mensch ist illegal und unter eben diesem Motto wird zum Abschluss dieser Vortragsreihe eine Diskussionsrunde stattfinden, in welcher die Fragen nach Handlungsmöglichkeiten, rechtlichen Grundlagen und Verhaltensregeln im Falle einer Abschiebung behandelt werden.Teilnehmer der Diskussion sind:
Jörn Wunderlich (MdB)
Rola M. Saleh (AG In- und Ausländer e.V.)
Rena Maniry (Sächsischer Flüchtlingsrat e.V.)
Moderation:
Juliane Wetendorf (Kulturbüro Sachsen e.V.)

Die Pogrome der 90er Jahre:
Wenn Rassismus zur Praxis wird

13.06.2013 Dorotheenstraße 40
18:30 Uhr 09212 Limbach-Oberfrohna
Anfang der 90er Jahre erreichte die Gewalt gegenAsylbewerber_innen, Flüchtlinge und Verfolgte ein neues Niveau; als Asylbewerberheime unter den Augen jubelnder Passant_innen von Neonazis und Sympathisant_innen mit Steinen und Molotow Cocktails beworfen wurden und die Polizei überfordert zusah. Dieser Höhepunkt der Gewalt hatte eine Vorgeschichte, welche von Vorurteilen, Zukunftsängsten und Rassenhass geprägt waren. Die politischen Folgen dieser Taten sind ebenso fragwürdig wie die Taten selbst und zeigen noch heute ihre Nachwirkungen. Zu Beginn der Vortragsreihe wird das Thema: Pogrome der 90er Jahre, sowie deren Ursachen und Folgen behandelt. Eine Aufarbeitung und Analyse jener Verbrechen ist für die heutige Arbeit mit Flüchtlingen und die generelle gesellschaftliche Haltung zu diesen grundlegend, um Gefahren früher zu erkennen und den generellen Umgang mit Flüchtlingen zu verbessern. Die Initiative „Rassismus tötet“ führt anschaulich in dieses Themengebiet ein und gibt Einblicke in die Ursachen, Folgen und Abläufe dieser Gewalttaten und dem Spektrum, welches sie umgibt.

Hinter den Kulissen deutscher
Flüchtlingspolitik
- zur gegenwärtigen Situation

20.06.2013 Esche-Museum | Sachsenstraße 3
18:30Uhr 09212 Limbach-Oberfrohna
Oft wird man mit Aussagen wie Asylbewerber_innen bekämen alles geschenkt und würden Arbeitsplätze gefährden, konfrontiert, doch fernab dieser reaktionären Binsenweisheiten existiert eine Wirklichkeit, die ein vollkommen anderes Weltbild darstellt.Es ist ein weiter Weg vom Flüchtling zum_r Asylbewerber_in und selbst als Asylbewerber_in ist man noch lange nicht sicher in diesem Land. Ständige Angst vor Abschiebung und Repressalien jeglicher Art erschweren die einfachsten Alltagsaktivitäten dieser Menschen. Schon das kurze Verlassen des Asylbewerberheimes ist ein schwieriges Unterfangen und der tägliche Einkauf mit einer Vielzahl an Unannehmlichkeiten verbunden. Der Alltag eines_r Asylbewerber_in in Deutschland gleicht mehr dem eines Gefängnisinsassen statt dem eines normalen freien Menschen. Der 2. Vortrag dieser Reihe erörtert eben diesen Alltag und die Wahrheit über das Leben als Flüchtling in Deutschland. Der „Sächsische Flüchtlingsrat e.V.“ berichtet von Erlebtem und Alltäglichem, was Flüchtlinge in Deutschland erwartet. Des weiteren wird auf Gesetzeslage und die Rechte von Flüchtlingen undAsylbewerber_innen verwiesen, um das aktuelle Asylrecht zu verdeutlichen.

Leipziger Internet Zeitung: Dubioser Anruf: Operatives Abwehrzentrum irritiert Neonazi-Gegner in Limbach-Oberfrohna

Moritz Thielicke ist irritiert. Der Jura-Student aus Limbach-Oberfrohna (Landkreis Zwickau), der dort ohne Parteibuch im Stadtrat sitzt, erhielt am Dienstag einen unverhofften Anruf. Ein Mitarbeiter des Operativen Abwehrzentrums (OAZ) wollte sich mit dem 23-Jährigen über Neonazi-Aktivitäten in der kleinen Stadt im Erzgebirgsvorland unterhalten.

„Es ging um Schmierereien, unter anderem am Vereinssitz der Sozialen und Politischen Bildungsvereinigung Limbach-Oberfrohna, für die ich mich engagiere“, berichtet der Kommunalpolitiker. Das Hausprojekt in der Dorotheenstraße geriet in der Vergangenheit vielfach ins Visier der Rechten, die in der Gemeinde besonders aggressiv auftreten. Rechtsmotivierte Gewalt zieht sich wie ein Roter Faden durch die jüngste Geschichte der Großen Kreisstadt.

Die Opfer wurden von der Stadtgesellschaft häufig als das eigentliche Übel identifiziert. Ein CDU-nahes Aktionsbündnis gegen Extremismus gestattete zeitweilig sogar dem lokalen NPD-Stadtrat die Teilnahme. Gegenüber der Polizei haben die Betroffenen eine starke Skepsis entwickelt. Nach einer Razzia in einem alternativen Wohnhaus, dem „Schwarzen Peter“, teilte die Polizei mit, Sprengstoff gefunden zu haben. Diverse Medien übernahmen die Meldung. Die angeblich brandgefährliche Substanz entpuppte sich später als eher schlecht brennbare Erde.

Thielicke selbst durfte ein Ordnungsgeld wegen Ruhestörung zahlen. Nicht weil er mit Kumpels zu laut feierte, sondern nach einem Naziangriff ein eingeschlagenes Fenster vernagelte. Dies darf man im Erzgebirge nämlich nur von 7 bis 22 Uhr tun. Pech für potentielle Opfer: Die braunen Kameraden kommen üblicherweise nachts.

Das Operative Abwehrzentrum der Polizei ermittelt in Limbach-Oberfrohna wegen rechter Graffitis. Doch was tut man, wenn einem keine Informationen zu möglichen Tätern vorliegen? Die Beamten versuchten, mit denen zu sprechen, die vor Ort von rechter Gewalt betroffen sind. „Wir wollten von Herrn Thielicke wissen, wie er die politische Situation einstufe“, erzählt ein Fahnder.

Die Beamte drängten den Stadtrat, so berichtete er L-IZ.de, zu einem informellen Gespräch. Sprich Smalltalk beim Kaffee, ohne offizielles Protokoll und Pflicht zur Wahrheit. Thielicke blockte ab. „Ich hatte den Eindruck, beim OAZ handele es sich um einen Spitzeldienst“, erzählt er. Sachdienliche Hinweise sei er gern bereit zu geben. „Aber einem dubiosem Spitzeldienst, werde ich keinen Vorlauf bieten, seiner fragwürdigen Rolle nachzukommen.“

Das Vorgehen der Fahnder verwundert, zumindest auf dem ersten Blick. Die Spezialeinheit, welche rechten wie linken Extremismus bekämpfen soll, hat kein so gutes Verhältnis zur „Sozialen und Politischen Bildungsvereinigung“. Diese wird von konservativen wie rechtsradikalen Kreisen nur zu gerne als linksextrem abgestempelt. In Sachsen ein bewährtes Mittel, um kritische Stimmen mundtot zu machen.

Wollten die Ermittler womöglich auch Erkenntnisse über den Demokratieförderverein und seine Akteure gewinnen? „Es gibt keinen Grund für diese Skepsis“, erzählt der Kriminalhauptkomissar, dessen Name der Redaktion bekannt ist. „Wir wollen Straftaten aufklären.“ Bei Thielicke bleiben Zweifel. Auch, weil sich die Beamten in der Nachbarschaft der „Doro 40″ nach deren Bewohnern erkundigt haben sollen. Mittlerweile hat das OAZ dem Studenten eine Zeugenvorladung geschickt. „Ob ich dieser Folge leisten werde, werde ich mir in aller Ruhe überlegen“, so Thielicke.

Quelle: http://www.l-iz.de/Leben/F%C3%A4lle%20und%20Unf%C3%A4lle/2013/05/Dubioser-Anruf-Operatives-Abwehrzentrum-irritiert-in-Limbach-Oberfrohna-48082.html

Veranstaltung der Friedrich- Ebert- Stiftung

Rechtsextremismus im Landkreis Zwickau
- Bestandsaufnahme und Handlungsstrategien –

Impulsreferat von Prof. Dr. Hajo Funke (Freie Universität Berlin)
mit anschließender Podiumsdiskussion mit Henning Homann, Jürgen Georgie, Dietrich Oberschelp, Jens Paßlack, Moritz Thielicke und Ellen Esen

Donnerstag, 25. April 2013
18.30- 20.30 Uhr
Esche- Museum, Sachsenstraße 3,
09212 Limbach-Oberfrohna

Flyer zur Veranstaltung downloaden…

2. Ausgabe des Rückspiegels veröffentlicht!

Das Bunte Buergerforum für Demokratie hat die zweite Ausgabe des „Rückspiegels“ März 2013 veröffentlicht. Dieses Heft beschäftigt sich mit den Ereignissen rund um Limbach-Oberfrohna. Unter folgenden Link findet mensch die aktuelle Ausgabe:

http://buntesbuergerforum.de/index.php?option=com_content&view=article&id=77&Itemid=89

UPDATE: Neue Nazischmierereien

Am Sonntag wurden erneut Nazischmierereien ausfindig gemacht. Diese wurden an der Wand der Toleranz angebracht. Ein couragierter Bürger informierte das Bunte Bürgerform, dass Fotos machen konnte.

Ein Mitarbeiter des Bauamtes beseitigte innerhalb kürzester Zeit das Gröbste.

UPDATE:

Es wurden auch die Dorotheenstraße und ein Einkaufsmarkt beschmiert.
Die Rechtschreibstärke sowie künstlerische Schaffenskraft entspricht, wie gewohnt der einer Limbacher Nase.

Wand der Toleranz:

Buntes Bürgerforum unterstützt Verein nach Sachschaden

Ein riesiges Dankeschön an das Bunte Bürgerforum für die schnelle Zusage der vollständigen Schadensbegleichung des eingeworfenen Fensters.

Erneut eingeworfene Scheibe

Am Abend des 24.12.2012 wurde gegen 21:45 Uhr eine Scheibe auf der Dorotheenstraße 40 von Unbekannten eingeworfen. Zeugen hörten Stimmen, die gerufene Polizei konnte leider keine Tatverdächtigen feststellen. Anzeige wurde aufgegeben.