Archiv der Kategorie 'Regional'

Sächsische Zeitung: Bunter Brühl macht mobil gegen braune Klientel

Nach der Umbennenung der Thor Steinar-Filiale in der Mühlenstraße (Morgenpost berichtete) will das „Bündnis Bunter Brühl“ den Laden-Betreiber viele Steine in den Weg legen. Schilder, Plakate und eine Demonstration sollen das Geschäft mit den Neonazis vermiesen.

Der Filialen-Name „Brevik“ war eine geschickte Werbestrategie der Betreiber gewesen. Dessen waren sich rund 40 Brühl-Anwohner, Geschäftsleute, Politiker und Vertreter der Stadt am Abend auf einer Bürgerversammlung einig. Initiatorin und SPD-Landtagsabgeordnete Hanka Kliese (31): „Unser Ziel ist die Schließung des Ladens. Es muss aber auch eine übergreifende Sensibilisierung für das Thema erfolgen.“

Geplant ist eine Demo mit dem Motto „Bunt statt Braun“ am kommenden Freitag (16. März, ab 16 Uhr) vor dem Geschäft. Auch Hinweisschilder um die Filiale sollen zukünftig auf den Neonazi-Hintergrund aufmerksam machen.

Beunruhigend: In nunmehr sechs Geschäften in Chemnitz wird die Mode-Marke Thor Steinar angeboten. Um weitere Ladeneröffnungen zu vermeiden, forderten die Stadträte Petra Zais (54, Grüne) und André Horvath (35, SPD) am Abend mehr Aufklärung der Vermieter – durch die Stadtverwaltung. Auch unter CFC-Fans ist das Mode-Label beliebt. „Mit dem neuen Stadion will der CFC mehr Familien locken. Es wäre ein gutes Zeichen, wenn der Verein die Kleidung zukünftig verbietet“, sagt Horvath. (ary)

Quelle: http://www.sz-online.de/Nachrichten/Chemnitz/Bunter_Bruehl_macht_mobil_gegen_braune_Klientel/articleid-3008510

Chemnitz im RTL-Nachrjournal

Beitrag ab 13:10: http://rtl-now.rtl.de/rtl-nachtjournal/rtl-nachtjournal.php?container_id=79479&player=1&season=0

still angry people, 7. März 2012: Hamburger Gitter zu Lancaster

Noch bevor das Kalenderblatt des 5. März 2012 aufgeblättert war, zogen die düsteren Wolken eines restriktiven Demokratieverständnisses die Stimmung in Chemnitz gen Null. Naziauflagen für eine antifaschistische Demonstration durch die Polizei – gegen welche erfolgreich geklagt wurde, sowie eine flächendeckende Kameraüberwachung der Innenstadt verhießen nichts Gutes. Letztere legitimiert durch eine an Quacksalberei grenzende Gefahrenprognose gegenüber den KritikerInnen der Gedenkkultur, NazigegnerInnen und deren potentiell gemeingefährlichen Thermoskannen.

Die Demonstration des antifaschistischen Kulturbündnisses „Supersonic“ und „Chemnitz Nazifrei“ begann im Panoramablick eines Freiluftgeheges aus sogenannten Hamburger Gittern rund um den Bahnhofsvorplatz. Nahezu jede Person musste sich peinlich genau durchsuchen lassen, um an der Demonstration teilnehmen zu dürfen. Zwei angedachte OrdnerInnen wurden aufgrund von fadenscheinigen Behauptungen, es sei eine wie auch immer geartete „Tendenz“ erkennbar, von der Polizei abgelehnt.

Im Anschluss an die Auftaktkundgebung – einige Redebeiträge, garniert mit einem Auftritt von Kraftklub – zog ein Strom von ca. 2500 Menschen in Richtung Innenstadt, erfreulicherweise eine gute Mischung der Altersklassen und auch nicht wenige, welche das erste mal eine Demonstration besuchten. Auf Höhe des Johannisplatz wurde aufgerufen sich der studentischen Demonstration anzuschließen, wodurch mindestens die Hälfte der Demonstrierenden die Zschopauer Straße hinauf zog. Der Rest hielt eine Zwischenkundgebung am Moritzhof ab und begab sich im Anschluss mit dem Lautsprecherwagen zur Ritterstraße, um dem Pulk von GeschichtsrevisionistInnen ebenfalls einen schallenden Empfang zu geben.

Alles in allem eine erfolgreiche Demonstration. Die Mischung aus Pop und Politik hat erfolgreiche Blüten getrieben. Selbst die regionale Presse fühlte sich bemüßigt positiv zu berichten schließlich blieb ja alles superfriedlich. Wen wundert’s, wenn die Demonstrierenden widerwillen als AkteurInnen des Friedenstages diffamiert wurden. Der angebliche Störversuch von 100 bis 150 potentiell „Gewaltbereiten“ war nach aktuellem Kenntnisstand lediglich ein fünfminütiges Rütteln von ca. 75 Personen an Hamburger Gittern, welches durch Pfefferspray und Knüppeln durch die HüterInnen des sächsischen Versammlungsrechts beantwortet wurde; nur nebenbei…

Die erwähnte mediale Vereinnahmung in das städtische Gedenktheater haben sich die Bündnisse auch selbst zuzuschreiben. Wie auch in den Jahren zuvor hat es das Bündnis „Chemnitz-Nazifrei“ nicht geschafft eine klare Blockadeposition zu formulieren. Sich irgendwie gegen Nazis zu äußern, das hatte selbst die Oberbürgermeistern Barbara Ludwig mit ihren Sternmärschen und dem Kerzenmeer auf dem Neumarkt noch hinbekommen. Dass die Demonstration vom Hauptbahnhof mehr sein sollte als symbolischer Protest, das müssen die OrganisatorInnen im Vorfeld eindeutig kommunizieren, wollen sie jemals die Menschen in Chemnitz dazu bringen nicht mehr vor jedem Polizeiflyer davonzulaufen.

Ebenso deutlich wird wieder einmal, dass der Platz für menschenverachtende Ideologien staatlich geschaffen werden kann. Genauso wie er jedoch geschaffen werden kann, hat zumindest Dresden in diesem Jahr bewiesen, dass auch dem effektiven Protest Platz einräumbar ist, wenn dem auch ein jahrzehntelanger Diskurs vorausgehen musste. Schön wäre es, diese Jahre der geistigen Stumpfheit Chemnitz ersparen zu können. Dies scheint aber leider ganz und gar nicht gewollt.

Nach den Blockadeversuchen des vergangenen Jahres setzte sich diese Tendenz 2012 innerhalb der vergitterten Möglichkeiten weiter durch. Viele Menschen suchten Lücken und waren bereit Gelegenheiten zu nutzen, welche jedoch konsequent an der flächendeckenden Aufstellung von Team Green scheiterten. Trotz der hermetischen Abriegelung eines Stadtviertels für ein braunes Tränenmeer wurde Protest in Hör- und Sichtweite erfolgreich erkämpft und dies ist wahrlich zu beglückwünschen.

Neben den Bündnissen „Chemnitz Nazifrei“ und „Supersonic“ wurde auf dem Markt, wie in jeden Jahr mit großem Pomp aber ohne Inhalte der Friedenstag zelebriert – weiterhin recht weit entfernt von formulierter Kritik an kollektivem Bombengedenken.

Trotz positiver Momente, die am 5. März 2012 in Chemnitz erkennbar wurden, bleibt die Situation die selbe: Nazis opfern durch die Stadt, BürgerInnen verlangen nach wie vor einen Fokus auf vermeintlich „deutsche Opfer“. Kranzniederlegung auf dem städtischen Friedhof, Friedenskreuz, Sternenmarsch und Kerzentragen natürlich mit weiße Rosen, Glockengeläut zum Abend? Klingt nach Dresden, fühlt sich auch so an. Fragt sich wann Chemnitz endlich um Eingemeindung vor den Dresdener Stadtoren bettelt. Adaptionsfähig wurde sich schließlich bisher im Bezug auf Naziaufmärsche sowie Erinnerungskultur gezeigt und schließlich würde auch der Altersunterschied endlich angeglichen.
Getoppt wird die ganze braune Scheiße mit einem Nazischulungszentrum, sowie einem sich metastasenartig ausbreitendem Geflecht an Naziläden. Mission accomplished? Mit nichten! Baustellen gibt es noch genug.

still angry people, 7. März 2012

Quelle: http://angry.blogsport.de/2012/03/08/hamburger-gitter-zu-lancaster/#more-42

Demo gegen Thor-Steinar-Laden angekündigt

CHEMNITZ /DPA. Anwohner, Händler und Politiker in Chemnitz wollen ihren Protest gegen ein neues Geschäft mit Kleidung der bei Neonazis beliebten Marke Thor Steinar auf die Straße tragen. Die SPD-Landtagsabgeordnete Hanka Kliese kündigte am Mittwochabend nach einem ersten Treffen des Bündnisses ?Bunter Brühl? eine Demonstration für den 16. März an. ?Wir wollen, dass der Laden auszieht?, sagte Kliese der Nachrichtenagentur dpa.

Bei der Zusammenkunft von etwa 40 Teilnehmern, darunter neben Gewerbetreibenden und Vereinen auch die Ausländerbeauftragte und andere Vertreter der Stadt, wurde laut Kliese zugleich vereinbart, den Protest auszuweiten: ?Wir wollen den Fokus auch auf andere Läden richten, die Marken wie Thor Steinar führen?, betonte sie.

Am Brühl hatte vor einer Woche ein Thor-Steinar-Laden mit dem Namen ?Brevik? eröffnet. Dagegen hatten Politiker und Anwohner protestiert. Sie hatten sich vor allem darüber empört, dass der Name Assoziationen an den Norweger Anders Behring Breivik weckt, der im vergangenen Sommer bei zwei Attentaten 77 Menschen umgebracht hatte. Am Mittwoch war der Schriftzug ?Brevik? dann durch ?Tønsberg? ersetzt worden. Beides sind Namen norwegischer Orte, nach denen traditionell Thor-Steinar-Filialen benannt werden.

Die Umbenennung reicht den Kritikern aber nicht aus. Eine Sprecherin der Stadt Chemnitz nannte den Thor-Steinar-Laden ?inakzeptabel?. Die Stadt habe bereits Kontakt mit dem in Bayern lebenden Vermieter aufgenommen.

In mehreren anderen Chemnitzer Szene-Läden gibt es bereits seit Jahren die Möglichkeit, Kleidungsstücke der Marke Thor Steinar zu erwerben. Der Widerstand dagegen hatte seinerzeit nicht die erwünschte Wirkung. Als besonders pikant beim ?Tønsberg?-Laden gilt die Lage im Brühl-Viertel. Das seit Jahren brachliegende Gebiet um den einstigen Vorzeige-Boulevard soll in den kommenden Jahren als Uni-Karree wiederbelebt werden. Angezogen werden soll eher studentisches und damit traditionell linksalternatives Milieu.

Quelle: http://www.naumburger-tageblatt.de/ntb/ContentServer?pagename=ntb/page&atype=ksArtikel&aid=1331187041876&openMenu=1013016724285&calledPageId=1013016724285&listid=1018881578312

Rechte Szene in Chemnitz: Neuer Laden am Brühl sorgt für Unbehagen

Bei Rechtsextremen beliebte Bekleidungsmarke hat eigenes Geschäft eröffnet

Chemnitz. Der schwarze Namenszug über der Ladentür weckt ungute Assoziationen. „Ist das nicht der, der in Norwegen die 77 Menschen erschossen hat?“, wundert sich ein älterer Herr aus der Nachbarschaft. Nicht ganz. Der Attentäter von Oslo und Utøja heißt Breivik, der am Donnerstag eröffnete Laden an der Mühlenstraße „Brevik“. Dabei handelt es sich um die neueste von deutschlandweit nunmehr 13 eigenen Vertriebsfilialen, die das brandenburgische Unternehmen Mediatex nach eigenen Angaben für die unter Anhängern der rechtsextremen Szene beliebte Bekleidungsmarke Thor Steinar unterhält. Was der Name des Ladens bedeuten soll, dazu wollte das Unternehmen sich am Donnerstag auf Anfrage nicht äußern.

Am Brühl und in dessen Umfeld hätte man auf diesen Beitrag zur Belebung des von Leerstand gezeichneten Viertels offenbar gern verzichtet. Große Augen und entsetztes Kopfschütteln am Donnerstag von der Grundschule bis zum Geschäft an der Ecke. „Dass die sich ausgerechnet hier niederlassen müssen“, meinte eine Ladenbesitzerin. „Brevik? Das geht gar nicht“, empörte sich ein Geschäftsmann. „Da denkt man ja sofort an Oslo.“ Und schon werden erste Befürchtungen laut, dem Klamottenladen könnten über kurz oder lang weitere Treffs der rechten Szene im Viertel folgen.

Sabine Zimmermann, Regionsvorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes, sieht sich durch die Neueröffnung in ihrer Sorge bestätigt. „Die Rechten sind längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen“, sagte sie am Donnerstag bei der Vorstellung einer Situationsanalyse zur rechten Szene in Chemnitz. Die reichlich 70 Seiten umfassende Broschüre sowie ein Internetportal geben unter anderem einen aktuellen Überblick über rechte Strukturen in der Stadt. Zwei Jahre lang hat ein Team von Kennern der Szene recherchiert und bislang nur verstreut zugängliche Informationen zusammengeführt – über die Aktivitäten der NPD, aber auch über die der sogenannten freien Kräfte sowie der im Stadtrat vertretenen Vereinigung Pro Chemnitz. Zudem wird über Musikvertriebe und Ladengeschäfte sowie über weniger bekannte völkische Zirkel, „Volkstanzkreise“ und Wandergruppen informiert.

„Was bisher meist mit einem hohem Zeit- und Rechercheaufwand verbunden war, ist nun mit wenigen Klicks erreichbar“, sagte Zimmermann. Geplant sei, das Online-Portal regelmäßig zu aktualisieren und das Untersuchungsgebiet auf das Chemnitzer Umland auszudehnen. Von der Broschüre sollen mehrere Hundert Exemplare in den kommenden Wochen an den Schulen der Stadt verteilt und Chemnitzer Vereinen zur Verfügung gestellt werden.

Mit ihrer Einschätzung stehen die Macher der Analyse nicht allein. Auch der Verfassungsschutz bezeichnet die Stadt als „Schwerpunkt der rechtsextremistischen Szene des Freistaates“. Mehr als 200 Rechtsextremisten seien hier ansässig, so Presse-Sprecher Alrik Bauer. Zudem existiere eine ausgeprägte und aktive Szene parteiungebundener Extremisten, die unter Bezeichnungen wie „Freie Kräfte“ oder „Nationale Sozialisten Chemnitz“ agierten. Kleidung von Thor Steinar hatte die Behörde bereits vor Jahren als “ identitätsstiftendes Erkennungszeichen“ der rechten Szene bezeichnet. Im Bundestag, einer Reihe von Fußballstadien und Bildungseinrichtungen ist das Tragen der Marke verboten. Mehrere Thor-Steinar-Läden mussten auf Druck von Nachbarn und Vermietern bereits schließen.

Mehr über die rechte Szene in Chemnitz unter www.wachsam-in-chemnitz.de

Quelle: http://www.freiepresse.de/NACHRICHTEN/TOP-THEMA/Rechte-Szene-in-Chemnitz-Neuer-Laden-am-Bruehl-sorgt-fuer-Unbehagen-artikel7920338.php

5. März: Den Naziaufmarsch blockieren! Mobi-Clip 05.03. Chemnitz

http://www.youtube.com/watch?v=TAm1bXPgc1U&sns=fb

Mobi-Videos zum 5.3. in Chemnitz bei Youtube!

http://www.youtube.com/watch?v=ZUhiPp1EmJQ&context=C339e3bfADOEgsToPDskLvU56P1fULU8loccq9a_fn

und

http://www.youtube.com/watch?v=kr6fZJXCdYE&feature=plcp&context=C3d42b1aUDOEgsToPDskI5PBSHatmrjraZXv5LmLh8

DON‘T LOOK BACK IN ANGER!

Für eine alternative, antifaschistische Kultur!

Aufhalten, blockieren, verhindern…

… von Naziaufmärschen ist in Sachsen nicht erwünscht. Antifaschismus wird durch den sächsischen Innenminister als Teil des Problems bezeichnet, obwohl die Offenlegung einer rassistischen Mordserie, begangen durch eine bundesweit vernetzte Gruppe Neonazis, dessen Notwendigkeit unterstreicht.
Staatliche Anti-Extremismus-Programme, der Verfassungsschutz in Bildungseinrichtungen, inhaltslose Menschenketten und ein Wettlauf um das würdigere Gedenken an „deutsche Opfer“ sollen richten, was der Ordnung im Staate bedrohlich erscheint. Gleichzeitig werden Nazis, wie im vergangenen Jahr in Chemnitz, zum Propagieren des Nationalsozialismus durch Stadtzentren eskortiert und dabei friedliche Gegendemonstrant_innen und Blockierende durch die Ordnungskräfte von den Straßen geprügelt.
Neonazis muss trotz staatlicher Repression der öffentliche Raum streitig gemacht werden. Konsequenten Antifaschismus gilt es am 5. März auf die Straße zu tragen.

Willkommen in der Wirklichkeit

Seit Jahren demonstrieren am 05. März mehrere hundert Nazis von NPD und Freiem Netz durch Chemnitz, um im Rahmen des allgemeinen Gedenkens an die Bombardierung der Stadt 1945 den Nationalsozialismus zu verherrlichen und ihre geschichtsrevisionistischen, antisemitischen und rassistischen Inhalte in die Häuserschluchten zu skandieren.
Eine erfolgreiche Verhinderung dieses Aufmarsches, wie es beispielsweise in Dresden in den letzten zwei Jahren geschah, konnte bisher nicht realisiert werden. In Chemnitz sieht sich die Zivilgesellschaft aus Parteien, Verbände, Initiativen und der Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig an der Spitze, mit erheblichen inhaltlichen und praktischen Mobilisierungsproblemen konfrontiert. Einmal im Jahr soll die Stadtgesellschaft sich gegen Nazis positionieren und möglichst umfangreich demokratisches Engagement zeigen. Untergraben wird dieser Anspruch durch die permanente Ignoranz gegenüber etablierten nationalsozialistischen Strukturen in der Stadt, durch weit über die Naziszene hinaus verbreitete rassistische und autoritäre Einstellungen und nicht zuletzt durch die polizeiliche Repressionen gegen Antifaschist_innen im Rahmen der Proteste gegen den Aufmarsch.
Dresden dient bei den Stadt-Vorderen als Vorbild für erfolgreiche Gegenaktivitäten, aber die notwendigen Voraussetzungen werden ignoriert. Die mangelnde Bereitschaft sich über Lagergrenzen hinweg zu verständigen, der Rückzug auf symbolische Aktionen weit ab der Naziveranstaltungen, kritikwürdige Gedenkfeierlichkeiten und eine aggressive “Ordnungspolitik” verhindern Jahr für Jahr die Verhinderung des Aufmarsches.
Während die Gedenkkundgebung der Neonazis 2008 trotz Anwesenheit der Polizei in völligem Chaos und massiven Übergriffen der „Trauernden“ auf vermeintliche Gegendemonstrant_innen versank, konnte der Demonstrationszug ein Jahr später direkt vor einem bereits mehrfach angegriffenen alternativen Zentrum in der Innenstadt eine Zwischenkundgebung abhalten. 2010 zog der bis dahin größte Neonaziaufmarsch in Chemnitz mit Fackeln nahezu unbehelligt durch die nördliche Innenstadt. Im letzten Jahr wurden friedliche Demonstrant_innen bei symbolischen Blockaden durch die Polizei in einem so enorm hohen Maß von der Straße geprügelt, das dies selbst in Chemnitz eine Diskussion über die Art und Weise des Einsatzes und zahlreiche Strafanzeigen gegen Beamte zur Folge hatte. Zu einer Störung des Ablaufs der Nazidemonstration kam es hingegen nicht.

Betagter Lokalpatriotismus

Während viele Chemnitzer_innen sich 365 Tage im Jahr für oder gegen überhaupt nichts aussprechen, erregen satirische Schmäh-Artikel überregionaler Tageszeitungen ungewohnt viel Aufsehen. Wird Chemnitz hier doch u.a. in eine Reihe mit Orten, wie Tschernobyl und Stalingrad im Jahr 1943, gestellt. Ein schwieriger Vergleich, da Stalingrad 1943, ganz im Gegenteil zu Chemnitz, damals Nazi-frei wurde. Missfallen bei einem größeren Teil der Einwohner_innen erregt das nicht.
Neben jahrelanger Geldquelle und observiertem Unterschlupf für den NSU ist Chemnitz seit Jahren ein Zentrum der organisierten Neonaziszene und Jugendkultur. Die Nachfrage nach entsprechenden Devotionalien wird von nicht weniger als vier Geschäften und bundesweit relevanten Versandhandeln bedient. Darunter verdient das Geschäft „PC Records“ besondere Beachtung. Betreiber Yves Rahmel ist nicht nur Vorreiter in Sachen neonazistischer Musikproduktion und Vertrieb, er ist auch langjähriger Eventveranstalter neonazistischer Konzerte im Dunstkreis der Chemnitz-Zwickauer „Terrorzelle” und Produzent einer CD, in welcher die neonazistischen Morde noch vor ihrer Entdeckung als solche gefeiert wurden.
Gleichzeitig hat Rahmel als Neonazi-Szenegröße ein Haus in Chemnitz-Markersdorf erworben, welches im November als neonazistisches Veranstaltungs- und Bildungszentrum mit überregionaler Prominenz eröffnet wurde. Neben Sammel- und Veranstaltungspunkt für die Chemnitzer Kameradschaftsszene, soll auch ein Parteibüro von Holger Apfel, dem Bundesvorsitzenden der NPD, entstehen.
Chemnitz als Heimstätte bundesweit bedeutender Neonazis und deren Infrastruktur, als Wohn- und Wirkungsstätte neonazistischer Terrorist_innen, als Stadt wider alternativer Bildungs- und Kulturangebote – ein ruhiges Plätzchen für Lokalpatriotismus und ein passendes Zentrum für die “wissenschaftliche”, extremismustheoretische Untermauerung der Landespolitik.

Sächsische Dilemmademokratie

20 Jahre CDU-Regierung, mit Heimatdünkel, Anti-“Linkstrend”-Initiativen, neoliberalemEthos und autoritärem Demokratieverständnis haben ihre Spuren hinterlassen. Der Reflex zum Ordnungsruf liegt nahe, das sächsische Versammlungsgesetz ist nur ein weiteres unrühmliches Beispiel zur Beschneidung von Freiheitsrechten. Neben bis dahin unbekannten und rechtlich umstrittenen Überwachungs- und Exekutivmaßnahmen rund um die Proteste gegen den Naziaufmarsch 2011 wird alles, was auch nur den Anschein hat, den Begriff Antifaschismus positiv zu besetzen, verfolgt oder verleumdet. Selbst ein Verbot des Logos der Antifaschistischen Aktion als verfassungsfeindliches Kennzeichen wird in Sachsen in Betracht gezogen. Blockierende aus Dresden wurden für ihr Engagement zügig abgeurteilt, um pünktlich zu den diesjährigen Dresdner Gedenkfeierlichkeiten den extremen Popanz präsentieren zu können. Verfahren gegen Landtagsabgeordnete wurden gemeinsam mit den Stimmen der NPD auf den Weg gebracht. Bundestagsabgeordneten lässt die sächsische Staatsanwaltschaft auf Geheiß der NPD die Immunität entziehen. Schwebende Verfahren, wie gegen die verbotene Kameradschaft Sturm 34, verdeutlichen die Intensität des Verfolgungsdrucks auf dem rechten Auge, während Initiativen, welche sich gegen Neonazis zur Wehr setzen, öffentlich abgewertet und behindert werden.
Die politische Auseinandersetzung in Sachsen und damit auch in Chemnitz, hat eine Kultur hervor gebracht, welche entweder delegiert oder vom Rand aus beobachtet. Dabei fungieren sie wahlweise als Jubel- oder als Gedenksachsen, hauptsächlich vom Zaun aus, mit dem gebotenem Abstand.
In Bezug auf Blockaden von Neonazidemonstrationen befinden sich die Aktivist_innen daher hierzulande nicht nur in einem rechtlichem Dilemma. Aufrufende und Unterstützer_innen werden propagandistisch als potentielle Straftäter_innen diffamiert und juristisch verfolgt. Um wirkungsvolle Aktionen gegen Neonaziaufmärsche durchzuführen, sind solidarisches Handeln und das Erreichen einer kritischen Masse erforderlich. Einzelne sind andernfalls nur Spielball der Ordnungskräfte und öffentlich zu verleumdende “Straftäter Links”.
Dass der letztjährige Neonaziaufmarsch in Chemnitz nur gegen entschlossene Blockadeversuche mehrerer hundert Antifaschist_innen durchgesetzt werden konnte, ist ein Grundstein, auf dem aufgebaut werden muss. Der sächsischen Lethargie sind antifaschistische Aktivitäten entgegen zu stellen, welche sich dem Ruf nach Ruhe und Ordnung entziehen und den Nazis keinen Raum überlassen. Eine breite antifaschistische und autonome Mobilisierung in und um Chemnitz ist daher mehr als notwendig und das nicht nur am 5. März.

Gehaltvoll intervenieren!

Unser Ziel ist eine intensive Auseinandersetzung mit Neonazis in Chemnitz und die Verhinderung jeglicher neonazistischer Veranstaltungen. Dabei kommt alternativen Kulturangeboten eine besondere Bedeutung zu, sind diese in der Lage, antifaschistische und kosmopolitische Mindeststandards zu vermitteln. Ihre Funktion ist daher nicht eine bloße Erweiterung des Angebotes für Nischenkonsument_innen, sondern die einer kritischen Gegenkultur, welche sich mit emanzipatorischen Inhalten und Praktiken einmischt. Wem an einer Änderung der hiesigen Zustände gelegen ist, die/der muss gegen die neonazistischen Aufmärsche und öffentlichen Geschichtsrevisionismus aktiv werden.
Welchen Platz Neonazis am 5. März einnehmen, entscheidet sich an der Entschlossenheit und Solidarität der Menschen, welche ihnen den öffentlichen Raum für ihre politischen Zwecke ganz gar nehmen und dies so, dass weitere Versuche unattraktiv werden.
Unser Ziel ist die lautstarke und massenhafte Vermittlung antifaschistischer Praxis als gesellschaftlicher Gegenwehr, sowie die Schaffung von Verhältnissen, in denen es als unverhältnismäßig angesehen wird, Naziaufmärsche mit Hilfe von Polizeigewalt durchzusetzen!

Den Nazis gemeinsam und entschlossen entgegentreten – jetzt erst recht!
5. März 2012 um 16 Uhr – Bahnhofsvorplatz!

Quelle: http://lookback.blogsport.de/aufruf/

Bürgenneister erteilt Hausverbot

BURGSTÄDT -Einer Gruppe von etwa 15 Jugendlichen des Vereins Freiraum ist am Montagabend Hausverbot für den Rathaussaal Burgstädt erteilt worden. Die der linken Szene angehörenden jungen Leute hatten durch Zwischenrufe die Stadtratssitzung gestört. Dabei forderten sie mehr Gehör für die Jugend und Freizeitmöglichkeiten. Bürgermeister Lars Naumann (Freie Wähler) hatte nach Ermahnungen die Räumung des Rathaussaales veranlasst. Da es keine öffentliche Bürgerfragestunde gab, ist es Besuchern nicht erlaubt,
während der Tagung das Wort zu ergreifen. Nach den Worten einer Vereinssprecherin sei das auf Unverständnis gestoßen. Es müsse doch
möglich sein, seine Meinung frei zu äußern, auch in einer öffentlichen Stadtratssitzung. Den Mitgliedern des Vereins ist laut der Sprecherin von der Ordnungsbehörde untersagt worden, ihr alternatives Wohnprojekt an der Ludwig-Böttger-Straße zu betreiben. Deshalb sei die Abordnung im Rathaus erschienen. (bj)

Quelle: Freie Presse am 08.02.2012

Gegen die Kriminalisierung der unbequemen Jugend!

Kund­ge­bung:
Sams­tag 04.​02.​2012
13.​00 Uhr
Burgstädt Bahn­hof
Info­stän­de, Essen, Musik
Kommt vor­bei und zeigt euch so­li­da­risch!

Quelle: http://aargb.blogsport.de/2012/02/02/gegen-die-kriminalisierung-der-unbequemen-jugend/